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Okt 15

Freihandelsabkommen sind ökonomische Kriegsabkommen!

Das Wort Freihandel ist in aller Munde. Ceta und TTIP sind die aktuell am meisten beachteten. Aber was ist Freihandel eigentlich? Was passiert da? Warum gab es vorher keinen Freihandel? Ist Freihandel nun etwas gutes oder was schlechtes? Kommt ganz darauf an, für wen man diese Frage erörtern will.

Vorrausnehmen kann ich aber schon mal, dass es sich bei Freihandelsabkommen um ökonomische Kriegsabkommen handelt. Warum das so ist, folgt jetzt.

Ausgangslage:

Damit wir eine Grundlage zur Ausarbeitung des Themas haben, stellen wir uns am Anfang einfach eine 2-Dörfer-Wirtschaft vor, in der die beiden Dörfer untereinander keinerlei wirtschaftliche Beziehungen haben. Dies kann man heutzutage noch bei indigenen Völkern beobachten, wo die Stämme größtenteils nur für sich wirtschaften. Sie gehen jagen, sie gehen sammeln, sie benutzen ihre eigene Medizin. Für all diese Tätigkeiten investieren sie Zeit. Und das meistens nicht zu knapp. Die Verteilung der erjagten (erarbeiteten) Resourcen wird stammesintern je nach vorherrschender Tradition bewerkstelligt. In manchen Stämmen dürfen die Jäger zuerst die erarbeiteten Resourcen verbrauchen und die Reste werden dann an den Rest des Stammes verteilt. In anderen Stämmen wiederum bekommen zuerst die Alten, Frauen und Kinder soviele Resourcen wie sie brauchen und die Jäger nehmen dann das, was übrig bleibt. Wie gesagt, je nach Tradition.

Zu jedem Stamm gehört naturgemäß ein bestimmtes Gebiet um das Dorf herum. Die „Jagdgründe“, also das Jagdgebiet und das Sammelgebiet. Jeder Stamm achtet in den meisten Fällen darauf, dass nur sie selbst in diesen Gebieten unterwegs sind. Sollten sich Jäger mal in einem fremden Jagdgebiet aufhalten, kann es sehr schnell zu einem Konflikt kommen. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn die eigenen Jagdgebiete nicht so viel an Resourcen bereitstellen, wie zur Versorgung des Stammes notwendig ist. Das Eindringen in fremde Jagdgebiete hat also seine Ursache in einem Resourcenmangel im eigenen Jagdgebiet.

Erste Erkenntnis:

Resourcenmangel im eigenen Jagdgebiet, treibt Menschen in fremde Jagdgebiete.

Ich weiß, alleine für diese Erkenntnis gebührt mir schon ein Nobelpreis. Diese Grunderkenntnis ist aber wichtig für das Thema Freihandel. Denn ein Handelsabkommen, egal welcher Art, hat in dieser banalen Feststellung seinen Ursprung.

Weiter gehts:

Die Ausgangslage ist beschrieben. Von da aus können wir jetzt weitere Überlegungen anstellen.

Was passiert, wenn die Jäger des einen Stammes in ihrem Jagdgebiet z.B. nur Fische vorfinden und die Jäger des anderen Stammes in ihrem Jagdgebiet nur Wild vorfinden?

Wenn der eine Stamm nur Fische essen will und der andere Stamm nur Wild essen will, dann passiert gar nichts. Es besteht ja kein Resourcenmangel für irgendeinen Stamm. Diese Stämme sind sich dann gegenseitig resourcentechnisch ziemlich egal.

Also sagen wir, dass der eine Stamm neben den Fischen auch noch Wild essen möchte. Der andere Stamm dagegen will weiterhin nur Wild essen. Durch den Bedarf bzw. die Nachfrage des Fischerstammes an Wild, wird ein Resourcenmangel erzeugt, der die Menschen dieses Stammes in die Wildgebiete des anderen Stammes treibt. Dort treffen sie aber logischerweise auf die Jäger des anderen Stammes und es kommt sehr wahrscheinlich zu einem kriegerischen Konflikt. Nun könnte man fragen, ob es nicht möglich wäre, dass die Stämme irgendwie ein Handelsabkommen abschließen könnten, damit es hier nicht zu einem Krieg zwischen den Stämmen kommt. Die Antwort lautet: Nein. Denn ein Handelsabkommen beruht immer auf einem Tausch von Waren. Und wenn nur der eine Stamm etwas haben will, was dem anderen Stamm gehört und der andere Stamm keinen Resourcenmangel hat, er also nichts anderes möchte, kann kein Tausch zustande kommen.

Für den Stamm ist dann Krieg, um sich die Wildresourcen des anderen Stammes anzueignen eine mögliche Option. Ob diese Option wahrgenommen wird, entscheidet dann letztendlich die Tradition, die Kultur und die militärische Stärke dieses Stammes. Ich nenne das ganze „erhöhte Kriegswahrscheinlichkeit“.

Ein anderer Fall wäre es, wenn beide Stämme Interesse an der jeweiligen Resource des anderen Stammes haben. In diesem Fall wird es sehr wahrscheinlich, solange die Tradition und Kultur nicht dagegen spricht, zu einem Tauschhandel kommen. Der eine Stamm tauscht einen Teil des eigenen Fisches gegen einen Teil des Wildes des anderen Stammes.

Nebenbei: Wenn man sich den Gesamtverbrauch der Resourcen anschaut, so stellt man fest, dass sich die Menge der gejagten Fische und des gejagten Wildes kaum verändern wird. Da der eine Stamm den Verbrauch von Fischen reduziert und durch Wild ersetzt und der andere Stamm den Verbrauch von Wild reduziert und durch Fisch ersetzt. Der Gesamtverbrauch an Fisch und Wild ändert sich erstmal nicht wesentlich, da die Menschen selbst ja nicht mehr essen, nur weil sie eine differenziertere Nahrungsgrundlage haben.

Im Falle eines Tauschhandels, deren Ursache ich gerade beschrieben habe, möchte ich von einer „erhöhten Tauschhandelswahrscheinlichkeit“ sprechen.

Zwischenergebnis:

Das Ergebnis dieser Überlegungen kann man in Form mehrerer Flußdiagramme zusammenfassen:

tauschhandelIm ersten Fall haben die Stämme wirtschaftlich nichts miteinander zu tun. Im zweiten Fall, wird der eine Stamm ökonomisch übergriffig und es besteht eine erhöhte Kriegsgefahr. Im dritten Fall gibt es einen Markt auf dem Tauschhandel betrieben wird. Import, Export und die Aussenhandelsbilanz sind nun existent. Wenn auch nicht in Währungsform.

Ist das Freihandel?

Ja. Wenn man die Resourcen frei importieren und exportieren kann, dann ist das Freihandel im Sinne von freiem Handel.

Aber das ist ja gar nicht das, was ein Freihandelsabkommen von heute bedeutet. Denn das funktioniert anders.

Wenn wir ein „modernes“ Freihandelsabkommen auf unsere beiden Stämme übertragen würden, dann würde sich das ganze anders darstellen. Denn bei so einem Freihandelsabkommen würden sich die Stämme gegenseitig erlauben, in den Jagd- und Fischgebieten des jeweils anderen Stammes aktiv zu werden.

Also darf der eine Stamm in den Jagdgebieten des anderen Stammes Wild jagen und der andere Stamm darf in den Flüssen des einen Stammes Fisch jagen. Jeder Stamm als ganzes gibt damit seine Hoheitsrechte auf seine eigenen Resourcen ab. Er öffnet die eigenen Resourcen damit für „ausländische“ Unternehmen.

Zum Vergleich: Beim Tauschhandel werden die Resourcen jeweils durch den eigenen Stamm „erjagt und erfischt“ und erst danach getauscht. Die Resourcen selbst befinden sich immer unter der Kontrolle des ganzen Stammes.

Im folgenden Flußdiagramm ist die Bedeutung eines „modernen“ Freihandelsabkommens aufgezeigt:

freihandel

Das, was wir heutzutage als Freihandelsabkommen bezeichnen, ist also gar kein Freihandelsabkommen, sondern ein ökonomisches Wettbewerbsabkommen. Wir setzen die Unternehmen der teilnehmenden Länder in einen Wettbwerb zueinander. Wo vorher nur „nationale“ Unternehmen unternehmerisch aktiv sein durften, dürfen nun auch „ausländische“ Unternehmen aktiv werden. Damit werden die „inländischen“ und die „ausländischen“ Unternehmen in einen Wettbewerb gesetzt, der vorher nicht vorhanden war.

Nun könnte man fragen: Ist es nicht gut, wenn da mehr Wettbewerb herrscht? So von wegen Preise etc.?

Antwort: Ein ökonomisches Wettbewerbsabkommen führt genau dann zu diesem Vorteil, wenn sich die Wirtschaft der teilnehmenden Länder auf Augenhöhe befindet. Wir reden hier also von gleicher Produktivität, gleichen Löhnen, gleiche Technologie etc. NUR dann kann ein ökonomisches Wettbewerbsabkommen für alle teilnehmenden Länder einen Vorteil bringen.

Trifft dies nicht zu, wird eines der beiden Länder unweigerlich wirtschaftlich kaputt gehen. (Und dadurch Wirtschaftsflüchtlinge produzieren, was hier aber erstmal nicht weiter behandelt wird.)

Reales Beispiel:

Die EU hat mit Somalia ein Freihandelsabkommen.

Dieses Freihandelsabkommen bedeutet, dass EU-Fischfangflotten in den somalischen Gewässern Fische fangen dürfen. Somalia selbst, hat die Hoheit über die Gewässer abgegeben. Ausländische Unternehmen dürfen da jetzt Fische fangen. Im Gegenzug dürfen somalische Unternehmen ihre Produkte in der EU anbieten.

Problem dabei ist, dass viele Produkte der EU so hoch subventioniert und konkurrenzfähig sind, dass die somalischen Unternehmen dem nichts entgegenzusetzen haben.

Somalia ist also von vornherein als Verlierer dieses Freihandelsabkommens festgelegt.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Wenn die EU-Fischfangflotten die Fische aus den Gewässern um Somalia fangen, dann wird der Ertrag der somalischen Fischer bei ihrer täglichen Fischerei immer geringer. Es gibt ja nur eine begrenzte Anzahl an Fischen. Die somalischen Fischer haben dann ein Problem, weil sie immer weniger von ihren Fängen leben können. Sie werden ökonomisch geschwächt, da ein fremder Stamm in ihren Fischgebieten fischt. Das ist ein ökonomische Angriff von aussen. (Siehe „2.“ im ersten Bild oben). Die Reaktion darauf ist eine ökonomische Verteidigung. Und die heißt: Piraterie. Die somalischen Piraten, die heute immer noch existieren, sind nichts anderes als ökonomische Verteidiger ihrer Lebensgrundlage. Und sie sind größtenteils früher Fischer gewesen.

Wie reagiert die EU darauf? Das ökonomische Wettbewerbsabkommen wird verteidigt, in dem eine militärische Flotte zur Abwehr der Piraten entsandt wird. Auch deutsche Soldaten und Schiffe sind mit dabei.

Ein ökonomisches Wettbewerbsabkommen führt also erst mal dazu, dass die Lebensgrundlage der wirtschaftlich unterlegenen Unternehmen zerstört wird. Wenn die betroffen Menschen sich dann auf ihre Art wehren, z.B. durch Piraterie, dann schicken wir Militär hinterher, damit das ökonomische Wettbewerbsabkommen gesichert wird.

Nun könnte man sagen: Ok, diese ehemaligen Fischer könnten ja auch was anderes als Piraten werden. Z.B. Landwirte oder sowas. Geht leider nicht. Auch hier ist es das gleiche Problem. Europäische Unternehmen können unter dem Deckmantel der bestehenden ökonomischen Wettbewerbsabkommen, alleine durch ihre Wirtschaftsmacht die ganzen Ländereien und Böden in Somalia aufkaufen. Auch dies ist nichts anderes als der Zugriff auf die Resourcen eines Landes. Und das Ergebnis ist das gleiche. Ansässige Landwirte werden ruiniert und ihre Lebensgrundlage zerstört. Neben dem Landgrabbing natürlich auch durch die hochsubventionierten Lebensmittel aus der EU, gegen die kein somalischer Landwirt konkurrenzfähig ist. Auch die Landwirte gehen in den ökonomischen Verteidigungsmodus über und brennen teilweise Plantagen nieder oder demonstrieren. Wenn das passiert, nimmt die EU Geld in die Hand und rüstet die hiesige Polizei mit modernen Waffen aus und trainiert sie, um den Widerstand zu bekämpfen. So einige Menschen, die dadurch keine ökonomischen Perspektiven mehr haben, machen sich dann als Wirtschaftsflüchtling auf den Weg in die EU. Und was passiert dort? Sie werden durch Militär und Polizei abgewehrt.

An dieser Stelle möchte ich einmal einen abschließenden Schnitt machen.

Das, was wir heutzutage Freihandelsabkommen nennen, sind ökonomische Kriegsabkommen. Kriegsabkommen deshalb, weil sie immer gepaart sind mit militärischer und polizeilicher Gewalt. Zudem ist „Krieg“ die größtmögliche Form des Wettbewerbs,

Man könnte es auch so zusammenfassen, dass die Wirtschaften zweier Länder in einen internen ökonomischen Bürgerkrieg getrieben werden, bei dem von vornherein feststeht, wer der Gewinner und wer der Verlierer sein wird. Daher geht der Wunsch nach einem ökonomischen Kriegsabkommen IMMER von der wirtschaftlich stärkeren Seite aus. Die EU, als Freihandelszone wurde z.b. damals hauptsächlich durch das agieren Deutschlands initiiert. Der Gewinner, also Deutschland, stand bereits vorher fest. Der Rest der EU ist der Verlierer. Wir haben also auch hier in der EU einen ökonomischen Krieg direkt vor unserer Haustür, der von uns ausgeht. Und wenn die anderen Länder begreifen, dass sie in einem ökonomischen Kriegsabkommen stecken, dann wählen sie entweder die EXIT-Variante, wie GB oder rüsten in ihrer ökonomischen Verteidigung auf. Was wir dann im Endeffekt als Rechtsruck sehen.

Aber dagegen kämpft Deutschland dann an, mit seinem „Sparzwang“, denen es den anderen Ländern aufdrückt. Denn das verhindert eine ökonomische Abwehr. Denn, wenn ein Staat über seine Investition frei entscheiden kann, kann es einfach seine Wirtschaft aufbauen und modernisieren. Aber das wäre dann aus Sicht Deutschlands schlecht.

Dazu ist natürlich zu sagen, das „Deutschland“ nicht unbedingt ALLE Menschen hier meint. Denn diese ökonomische Kriegsgeilheit wird nur von unseren oberen 10.000 verfolgt. Die restlichen knapp 80 Millionen Menschen hier, müssen diesen Krieg führen, den sie nicht wollen.

 

 

Wenn es also mal wieder Diskussionen und Debatten über Freihandelsabkommen in eurem Bekanntenkreis geht, dann benutzt bitte die Begrifflichkeit „ökonomische Kriegsabkommen!

 

 

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