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Nov 06

Rente mit 75? Warum nicht? Wenn unsere Kinder dann erst mit 45 anfangen müssen zu arbeiten…

Die sogenannte Union treibt mal wieder die Ausbeutung der Arbeiterschaft vorran und fordert wieder einmal die Rente mit 75. Die Begründung für diesen Schritt, wird gleich mitgeliefert. Vereinfacht: Wenn die Menschen immer älter werden, dann können sie ja auch länger arbeiten. Das hat natürlich nichts mit der Realität zu tun, aber die Politiker, die das vorschlagen, glauben daran!

In diesem Beitrag möchte ich die Rentendebatte mal erden und aufzeigen, was wir eigentlich machen müssten.

Einordnung der Rente:

In einem Wirtschaftssystem gibt es zwei Gruppen von Menschen. Die erste Gruppe, ist die arbeitende Gruppe. Die zweite Gruppe, ist die nicht arbeitende Gruppe. Ganz einfach.

Arbeitende Gruppe:

Alle Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch den Einsatz von Zeit und Arbeit in Einkommen umwandeln.

Nicht arbeitende Gruppe:

Alle Menschen, die ihren Lebensunterhalt NICHT selbst erarbeiten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es kann sich um Rentner, also um den Lebensabend handeln. Es kann aber auch der Fall der Krankheit vorhanden sein. Und laut Gesetz ist es unseren Kindern verboten zu arbeiten.

 

Zusammenhang zwischen beiden Gruppen:

Die arbeitende Gruppe versorgt IMMER die nicht arbeitende Gruppe.

Entscheidend für die Versorgung der nicht arbeitenden Gruppe ist immer das Einkommen der arbeitenden Gruppe. Das geht auch gar nicht anders. Man kann nur das verteilen, was erarbeitet wurde.

Folgendes Bild stellt dies dar:

versorgung_arbeit_narbeit

Wenn wir uns das Thema „Rente“ herausnehmen, so ist die erste Frage immer folgende:

Wieviel produzieren denn die Arbeiter? Denn nur anhand der Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen kann man entscheiden bzw. erörtern, wieviel davon denn verteilt werden kann!

Machen wir es anschaulich.

Wenn es in einer Gruppe einen Arbeiter gibt und 10 Rentner, dann muss der eine Arbeiter die 10 Rentner versorgen. Wenn der Arbeiter aber nur Güter und Dienstleistungen anbieten kann, die insgesamt nur für 5 Personen reichen, dann hat die Bevölkerung ein Problem. Die Lösung lautet dann, dass die Rentner noch mal mitarbeiten müssen. Da geht nichts dran vorbei. Das Renteneintrittsalter muß also erhöht werden.

Wenn der Arbeiter dagegen so produktiv ist, dass er Güter und Dienstleistungen für 20 Menschen produziert, dann kann er locker die 10 Rentner mitversorgen und es könnten sogar noch 9 Rentner mehr werden. In diesem Fall kann die Arbeitszeit des Arbeiters reduziert werden, da er eh zu viel produziert. (Er produziert für 20, es gibt aber nur 11.)

Entscheidend für die Rentenfrage ist also NIEMALS die Anzahl der Rentner alleine, sondern IMMER die Produktivität des Arbeiters!

Beispiel aus der Landwirtschaft:

Vor 100 Jahren konnte ein Landwirt mit seiner Arbeit im Schnitt 4-5 Menschen ernähren. Dies waren meist seine Kinder, seine Frau und seine Eltern. Einem arbeitenden Menschen standen hier also 3-4 nicht arbeitende Menschen gegenüber.

Heute allerdings, ist die Produktivität eines Landwirts so extrem groß geworden, durch Technik und neue Methoden, dass er 133 Menschen mitversorgen kann. Er könnte also alleine arbeiten und könnte 132 Rentner mit Nahrung versorgen!!! Was das für Deutschland hieße: Wir haben knapp 1Million Arbeiter in der Landwirtschaft. Die alleine könnten schon 133Millionen Rentner mit Nahrung versorgen! Also wo ist unser Problem eigentlich?

 

Die Produktivität

Wieviel produzieren wir denn eigentlich hier in Deutschland? Also wie stark ist unsere Wirtschaftsleistung?

Das zeigt (unter Vorbehalt) das BIP, also das Bruttoinlandsprodukt. Das ist vereinfacht gesagt, die Gesamtmenge an Geld die innerhalb eines Jahres in einem Wirtschaftssystem zirkuliert.

Dies betrug im Jahr 2015 insgesamt knapp 3.000Milliarden Euro. Also 3 Billionen Euro.

Das ist ne ganze Menge.

Wenn wir das runterrechnen auf die Anzahl der Einwohner in Deutschland, können wir das Pro-Kopf-BIP berechnen. Es betrug 2015 demnach knapp 37.500€.

Unsere Wirtschaft ist also so produktiv, dass JEDER Einwohner Deutschlands ein jährliches Bruttoeinkommen von 37.500€ haben könnte. Oder monatlich gesehen: 3.125€

Wir könnten also gesetzlich dafür sorgen, dass jedes Kind, jeder Kranke, jeder Rentner und jeder Arbeiter jeden Monat ein Einkommen von 3.125€ hat.

Wenn wir diesen Wert nur auf die arbeitende Bevölkerung anwenden, dann können wir das Pro-Arbeiterkopf-BIP ausrechnen. Dies betrug 2015 ca 72.300€ Euro im Jahr. Und damit monatlich knapp 6.025€. Als Hinweis: Jeder Arbeiter, der weniger als 6.025€ Brutto verdient im Monat, liegt unter dem Durchschnittseinkommen! Da werden sich jetzt bestimmt einige Leser denken: „Huch?“

Von diesen knapp 6000€ gehen dann die Steuern ab (z.b. für Kinder, Kindergeld, Bildung etc.) und die Krankenversicherung (für die Kranken) und die Rentenversicherung (für die Renten).

Das ist das, was wir als Umlage benennen können. In Bezug auf die Rente, reden wir von einem umlagefinanzierten Rentensystem. Solange wir wirtschaftlich etwas produzieren, können wir es auf die nichtarbeitende Bevölkerung umlegen. Ganz einfach. Dieses Modell funktioniert IMMER und funktionierte bereits seit Jahrtausenden. Auch wenn die Art und Weise der Umlage durchaus unterschiedlich gestaltet wurde.

Selbst in der „Steinzeit“ gab es das schon. Die Jäger, also die arbeitende Bevölkerung, ging auf Jagd und das Erlegte wurde zuhause an die Kinder und „Rentner“ verteilt. Das ist auch umlagefinanzierte Rente und umlagefinanziertes Kindergeld.

So ein System ist immer stabil und funktioniert immer.

Welchen Unsinn machen wir jetzt?

Unsere Regierungen der letzten 50 Jahre wollten und wollen das umlagefinanzierte Rentensystem abschaffen.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

Die erarbeitete Altersvorsorge:

Auf die Steinzeit bezogen, müsst ihr euch das so vorstellen:

Die Jäger gehen auf Jagd, bringen das Erlegte mit nach Hause und prüfen erstmal, welcher Rentner wieviel vom Erlegten jetzt abbekommt. Diese Menge wird anhand der Jagdleistung des Rentners bestimmt, als er noch jagen konnte. War er ein guter Jäger und hat der Sippe immer viel Erlegtes nach Hause gebracht, bekommt er viel vom Erjagten ab. War er eher ein schlechter Jäger und hat nicht viel erlegt in seinen jüngeren Jahren, dann bekommt er nicht soviel ab. In keinem Fall ist der Bedarf des Rentners entscheidend dafür, was er bekommt, sondern nur seine vergangene Jagdleistung.

Wenn man sich das mal vor Augen führt, sieht man eigentlich, dass bereits unser Rentensystem, mit dem erarbeiten von Rentenpunkten irgendwo völliger Schwachsinn ist, da es NICHTS mit sozialem Verhalten zu tun hat. Bemerkbar macht sich dieser Schwachsinn genau dann, wenn jemand 45 Jahre lang hart arbeitet, aber ein so niedriges Arbeitseinkommen hat, dass er eine Rente bekommt, die nicht zum Leben reicht.

Zusätzlich dazu, sieht man diesen Schwachsinn auch, wenn man sich die „gebrochenen Erwerbsbiografien“ von Frauen anschaut. Denn wenn Frauen Kinder haben, dann können sie ja nicht auf die Jagd gehen. Irgendwer muß ja immer da sein zum aufpassen. Dementsprechend kommt es dazu, dass Frauen im Rentenalter weniger Rente als Männer bekommen. Unser Rentensystem der letzten Jahrzehnte ist also per Grunddefinition asozial und zusätzlich dazu noch diskriminierend Frauen gegenüber.

Stichwort: LebensLEISTUNG

 

Die kapitalgedeckte Altersvorsorge:

Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist dann eine Steigerung des Schwachsinns.

Wieder auf die Steinzeit bezogen:

Die Jäger gehen auf die Jagd, bringen das Erlegte mit nach Hause, verteilen es NICHT, sondern konservieren es mit Salz, also pökeln es und hoffen darauf, dass das Fleisch noch genießbar ist, wenn sie mal alt sind und nicht mehr jagen können. Die Rentner dieser Sippe haben ein Problem, da sie ja nichts abbekommen. Und das, obwohl sie während ihrer Jagdzeit damals die anderen immer mitversorgt haben. Wenn sie Glück haben, bekommen sie evtl. eine Übergangsregelung zustande, bei der erst die nachkommenden Rentner, die Fleisch zurücklegen konnten, von diesem System betroffen sind.

Dieses System ist extrem risikoreich. Es kann sein, dass das Fleisch von einem Pilz befallen wird und vernichtet wird. Es kann auch bei einem Unwetter zerstört werden oder ein Waldbrand macht es kaputt. Ob das Fleisch im Alter also noch da ist, weiß man nicht. Aber man findet das System trotzdem gut.

Hm…Wer findet das eigentlich gut? Das können doch eigentlich nur Jäger sein, die VIEL Erjagtes mit nach Hause bingen und keinen Bock darauf haben, es an irgendwen abzugeben bzw. es mit jemanden zu teilen. Es handelt sich also um die asozialen Egoisten einer Gruppe.

 

Zwischenfazit:

  1. Deutschland produziert mehr als genug, um alle seine Einwohner mit knapp 3000€ pro Monat Einkommen auszustatten.
  2. Bereits heute kommen Menschen über 50 Jahre sehr selten in den „Genuss“ eine Arbeitsstelle zu ergattern. Dies hat gesamtwirtschaftliche Gründe. Siehe: http://www.omegamind.de/wordpress/2016/10/09/der-unsinn-mit-der-arbeitslosenquote/#more-26
  3. Das umlagefinanzierte Rentenmodell, welches sich auf die Lebensleistung bezieht, ist asozial.
  4. Das kapitalgedeckte Rentenmodell, welches komplett egoistisch motiviert ist, ist noch asozialer.
  5. Bei den Rentendebatten wird immer die Produktivität ausgeklammert und man kommt dadurch zu falschen Lösungen.
  6. Wir können heute ohne weiteres eine Rente mit 50 einführen. So gut geht es „unserer“ Wirtschaft.

 

Omega-Position:

Wie sieht die Omega-Position bezüglich des Rentensystems aus?:

  1. Umlagefinanziert
  2. Unabhängig von der vorhergehenden Arbeitsleistung
  3. ALLE zahlen in die Rentenkasse anhand ihres Einkommens ein. Produktivitätskopplung.
  4. Abschaffung von betrieblichen Altersvorsorgemodellen
  5. Abschaffung von Pensionskassen
  6. Bildung einer Einheitsrente. Das gesamte eingezahlte Geld wird auf die Anzahl der Rentner umgelegt.
  7. Kopplung an den Arbeitsmarkt. Entweder wird das Renteneintrittsalter reduziert ODER die maximal zulässige Wochenarbeitszeit wird auf das durchschnittliche Wochenarbeitsvolumen pro Erwerbsfähigen festgesetzt.

 

 

 

 

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